Das Lesen des Beitrags dauert etwa 15-20 Minuten. Machst du auch die Übungen, dauert es länger.

Wie du Konflikte mit anderen Personen in deinem Leben reduzieren kannst

In diesem Beitrag möchte ich dir was zu dem Thema Bewertungen von Personen oder Situationen schreiben. Im Detail geht es darum, dass Konflikte mitunter dadurch entstehen, wenn ich anfange etwas „abzuwerten“. Sind wir uns dessen bewusst, kann ich Konflikte mit anderen Personen in deinem Leben reduzieren.

Ist der Sitz unbequem? Oder steht er vielleicht sogar für Abenteuer und Spaß?

Fahrradsitz: Ist er bequemt oder steht er für viel Spaß?

Was es bedeutet, andere Personen oder Situationen zu bewerten

Meine Erfahrungen in den Aufstellungen zeigen immer wieder, dass Konflikte allein dadurch entstehen, weil wir NUR durch „unsere Brille“ und aus „unserem Blickwinkel“ schauen. Bevor ich hier näher darauf eingehe, möchte ich euch zu einer kleinen Übung einladen.

Eine kleine Übung:

Gehe mal in dich und stelle dir vor, dass eine Person, z. B. ein neuer Kollege im Team Meeting sich abfällig über deinen Vorschlag äußert.

Was macht diese Situation mit dir?

  • Nimmst du es persönlich?
  • Fragst du nach, was er genau meint?
  • Ärgert dich sein Verhalten?
  • Oder geschieht dir das sogar öfter, dass deine Vorschläge abfällig bewertet werden?

Welche Reaktionen zeigen sich in deinem Körper?

  • Zieht sich dein Bauch zusammen?
  • Spannen sich deine Schultern an?
  • Bekommst du einen Kloß im Hals?
  • Wirst du verunsichert?
  • Fühlst du dich angegriffen?
  • Gehst du in die Rechtfertigung und erklärst, warum dies ein guter Vorschlag ist?

So wie es möglicherweise dir in der oben beschriebenen Situation geht, so geht es vielen Menschen. Sie fühlen sich z. B.  verunsichert oder angegriffen. Sie trauen sich nichts mehr zu sagen oder ganz anders, sie pfeffern dagegen.

Was hat der neue Kollege gemacht?

  • Er hat bewertet, bzw. in unserem Fall abgewertet.
  • Und das Beste an der Situation. Dem neuen Kollegen ist seine Bewertung wahrscheinlich nicht mal bewusst. Vielleicht meinte er nur einen Aspekt von deinem Vorschlag und hat es einfach sehr ungeschickt ausgedrückt. Wir wissen es nicht, wenn wir nicht nachfragen.

Du jedoch fühlst dich womöglich abgewertet. Du hast in dem Moment gespürt, wie es sich anfühlt bewertet / abgewertet zu werden.

  • Was ist das für ein Gefühl?

So wie bei dem Kollegen der Prozess der Bewertung ganz automatisch ablief, so läuft er in der Regel auch bei uns.

Der Hintergrund ist: Wir bewerten den anderen Menschen anhand unserer gemachten Erfahrungen und unserem bisher Gelernten. Dieser Prozess geschieht im Großen und Ganzen fast automatisch. Bewertungen laufen wie im Autopilot, dadurch stellen wir sie nicht in Frage.

Nun hast du eine Ahnung bekommen, wie sich andere Personen fühlen, wenn du zu schnell in deinen Bewertungen bist.

Im nächsten Abschnitt erfährst du:

Was können wir tun, um uns unsere Bewertungen von Personen oder Situationen bewusst zu machen?

Ist der Kuchen gefährlich, weil er ein Monster darstellen soll? Wohl eher nicht, womöglich ist er sogar sehr lecker? Worauf ich hinaus möchte: Ziehst du voreilige Schlüssel, nur weil es von Außen anders auf dich wirkt?

Kuchen grünes Monster

Was können wir tun, um uns unsere Bewertungen von Personen oder Situationen bewusst zu machen?

Ich fasse noch mal zusammen. Bewertungen von Situationen und Personen laufen ganz automatisch ab. Sowie hast du im 1. Abschnitt erfahren, wie es sich für andere Personen anfühlt, wenn wir sie bewerten.

Der erste Schritt!

Ein erster Schritt ist es, sich den Prozess überhaupt erstmal bewusst zu machen.

Werde dir bewusst, dass du den anderen Menschen bewertest, anhand des Aussehens, anhand seines Auftretens, anhand seiner Herkunft, seinem Akzent, seines Verhaltens usw. à es gibt so viel, was wir bewerten können.

Übung: Wie du dir diesen Prozess bewusstmachen kannst.

  • Schaue dir beliebige Menschen an und beobachte deine Gedanken. Was für Gedanken kommen hoch?
  • Dann schaue, was deine Gedanken daraus machen. Bewerten Sie? Was bewerten sie? Werten sie auf, werten sie ab? Was macht das mit dir?

Der zweite Schritt!

Hier beginnt die Wertfreiheit:

  • Beobachte einfach nur deine Gedanken und lerne dich in diesem Prozess selbst kennen
  • Welche Situationen bewertest du?
  • Welche Situationen sind neutral?
  • Wie bewertest du die Situationen, bewertest du sie negativ oder positiv?

Ich wünsche dir viel Spaß beim Beobachten deiner Gedanken.

Im nächsten Abschnitt verrate ich dir:

Welche Auswirkungen ständige Bewertungen haben (Wobei ich mir sicher bin, dass du dir ein paar Auswirkungen selber denken kann).

Was wir davon haben, wenn wir uns die Bewertungen bewusst machen?

Folgendes Bild habe ich euch in diesem Abschnitt mitgebracht: Ist das Originell oder Chaotisch?

unaufgeräumte Werkstatt: Originell oder Chaotisch

Was für Auswirkungen haben ständige Bewertungen?

Horche noch mal in dich, als der neue Kollege (das Beispiel aus dem 1. Abschnitt) abfällig war. Was hat es mit dir und der Beziehung zu dem Kollegen gemacht?

Hat es die Beziehung gestärkt? Oder eher nicht?

Wenn wir zu allem z. B. eine „abwertende“ Meinung haben, die Dinge bewerten, grenzt uns das in der Regel von der Situation oder der Person ab. Wir sind voreingenommen und gehen nicht mehr wertfrei darauf zu. Wir sind somit nicht besser: Wir bewerten auch. Wir stecken die Personen in Schubladen.

„Der neue Kollege weiß alles besser, soll er doch selber schauen, wie er an die Infos kommt.“

  • Das wäre möglicherweise die Schublade: Der weiß alles besser!

So oder ähnlich nimmt der Konflikt seinen Anfang, dabei haben wir noch nicht mal angefangen, den Menschen kennen zu lernen. Wir verschließen uns dem neuen Kollegen gegenüber und grenzen uns ab.

Personen oder Situationen in Schubladen stecken ist dabei (aus meiner Sicht) noch nichts Schlimmes. Im Gegenteil. Wenn wir Personen oder Situationen zu etwas dazu sortieren (in unserem Beispiel „in eine Schublade stecken“), dann hat es mitunter die Auswirkung, dass es uns vertrauter wird. Es erweckt den Eindruck: „Das kennen wir“. Die Unsicherheit vor dem Neuen reduziert sich.

Um auf das Thema der Bewertungen zurück zu kommen: Nun kommt es aber auf dich drauf an. Was steckst du noch in diese Schubladen???

In unserem Beispiel könnte man in die Schublade: Der weiß alles besser! Noch die negativ besetzten Begriffe „Klugscheißer“, „hochnäsig“, „arrogant“ reinstecken. Und genau hier beginnt die Trennung von den Personen und Situationen und wir können nicht mehr voreingenommen darauf zu gehen.

Was haben wir davon uns die Bewertungen bewusst zu machen?

Wenn mir was bewusst ist, dann habe ich ab sofort die Wahl und kann mich bewusst für was ANDERES entscheiden.

Zum Beispiel: ich höre mit der Bewertung auf und kann so unvoreingenommen auf eine neue Situation oder Person oder ähnliches zu gehen oder sie auf mich zukommen lassen.

In unserem Beispiel mit den Schubladen, könnte ich es auch so ausdrücken: Ich packe in die Schubladen nichts weiter rein. Der „Klugscheißer“, „hochnäsig“, „arrogant“ bleibt einfach draußen. Somit bleibt die Schublade „der weiß alles besser“ neutral. Im besten Fall könnte es mir sogar nutzen. Denn wenn der Kollegen alles besser weiß, dann kann er doch das schwierige Thema mit dem Chef klären und ich muss mich nicht damit auseinander setzen.

Lasse ich die negativen Wirkungen raus, kann ich wertfreier und dadurch achtsamer auf neue Personen oder Situationen zu gehen.

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst und wenn du die Übungen ausprobiert hast, merkst du, dass es schwierig ist mit dem Bewerten komplett aufzuhören. Unsere Erfahrungen und unsere Familie haben uns geprägt. Sie haben uns zudem gemacht, wer wir sind und was wir können.

Wertfrei zu sein, geht für mich daher in die Richtung, sich die eigenen Bewertungen bewusst zu machen. Dadurch nehme ich den Bewertungen die Macht. Ziehe nicht gleich eine Grenze zwischen mir und der Situation oder Person.

Das heißt, bei mir landen Personen und Situationen durchaus auch in Schubladen, aber ich packe nichts weiter dazu rein oder falls ich doch mal automatisch was reinpacke und es fällt mir auf, dann kann ich es auch wieder raus nehmen 😉

Im weiteren Schritt kann ich dann meine persönlichen Bewertungen hinterfragen. „Warum nehme ich die Äußerung des Kollegen so negativ? / Warum trifft mich das?“

Ich kann für mich rausfinden, welche Wunde der neue Kollege bei mir getroffen hat und kann hier ansetzen, meine Wunde zu heilen. Denn nicht nur der neue Kollege, sondern alle anderen Personen können ebenso diesen Trigger bei mir auslösen und das macht mich indirekt abhängig von diesen Personen. Denn die anderen Personen brauchen nur den Trigger-Knopf drücken und ich reagiere entsprechend. Bin ich dann frei in meinem Handeln?

Umso mehr wir uns unsere Bewertungen bewusst sind, umso mehr kann ich den Autopiloten abschalten und ganz neue Aspekte im Leben kennen lernen.

Und genau hier setzt die Achtsamkeit ein.

Wie können dir Familienaufstellungen helfen achtsamer zu werden und Bewertungen los zu lassen?

Mit Familienaufstellungen kannst du deine Achtsamkeit trainieren:

  • Durch das „Stellen in andere Rollen“ kannst du zum einen dich und deine Gefühle besser kennenlernen.
  • Du erlebst in den Rollen als Stellvertreter, wie sich durch Änderungen von Blickwinkeln Bewertungen ganz automatisch lösen und Mitgefühl für das Verhalten des anderen einstellt.
  • Du siehst, dass Bewertungen von anderen Personen immer was mit den anderen Personen /also ihnen selbst und ihren bisherigen Erfahrungen zu tun haben und weniger was mit dir.

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